Zu den Ergebnissen der Deutschen Islamkonferenz in Berlin
14. März 2008Niedersächsischer Schulversuch zum islamischen Religionsunterricht als Vorbild
Von Niedersachsen lernen heißt, pragmatisch und erfolgreich ein diffiziles Thema angehen lernen: den islamischen Religionsunterricht. Gestern hatte die Deutsche Islamkonferenz in Berlin die bundesweite Einführung dieses islamischen Religionsunterrichts zum Ergebnis.
Bund und bundesweit tätige Verbände haben beschlossen, was eigentlich in die verfassungsmäßige Kompetenz der Länder im Dialog mit den ebendort angesiedelten Religionsgemeinschaften gehört. Aber es wurde ein Zeichen gesetzt, dies begrüßen wir mit Freude. Schura Niedersachsen hat sich als niedersächsischer Landesverband der Muslime in Partnerschaft insb. mit der obersten Schulbehörde für dieses schon vor sieben Jahren eingeleitete Projekt eingesetzt. Mit inzwischen 26 Grundschulen und einer außerordentlich hohen Beteiligungsquote der muslimischen Schülerschaft stehen wir vor einem gemeinsamen Erfolg. Eine Grundlage dafür war es von Anfang an, dass sich die Mehrheit der Muslime in einem Landesverband zusammengefunden hat, dessen Struktur den religionsverfassungsrechtlichen Anforderungen unseres Grundgesetztes entspricht.
Der gestrige Beschluss der Deutschen Islamkonferenz ist hoffnungsvoll, auch weil hiermit Impulse für die organisierten Muslime in weiteren Bundesländern, die nach Landesverfassungsrecht konfessionellen Religionsunterricht anbieten, zur entsprechenden Strukturbildung ausgelöst werden. Dafür können die Erfahrungen mit dem niedersächsischen Schulversuch Pate stehen.
Nicht korrekt, aber politisch verständlich, ist es, den islamischen Religionsunterricht als Maßnahme zur Integration zu bezeichnen; dies widerspricht dem Sinngehalt und dem historischen Werdegang des Artikels 7 Abs. 3 des Grundgesetzes, der als deutschem Sonderweg den Religionsunterricht in staatlicher Obhut an den allgemeinbildenden Schulden vorschreibt. Doch fördert die Abhaltung dieses Unterrichts in deutscher Sprache letztlich die Integration. Wenn wir dauerhaft in Deutschland leben wollen, ist für uns auch das Gespräch über das, was den Menschen im Innersten bewegt, mit der deutschsprachigen Umgebung unerlässlich.
Was wir jetzt beschleunigt brauchen sind Lehrkräfte. Ihre Ausbildung nach Inhalt und Einsatz erfordert eine förmliche Zusammenarbeit, die - ähnlich den Kirchenstaatsverträgen - den alsbaldigen Abschluss eines Staatsvertrages mit den Repräsentanten der Muslime in den Bundesländern. Für Niedersachsen hat Ministerpräsident Christian Wulf dieses bereits auf die Agenda gesetzt. Die Muslime im Lande stehen bereit.